Fehlende Erfassung von homo‐ und transphober Gewalt in der Schweiz

Schweizer Behörden und Polizeistellen erfassen homo‐ und transphobe Gewalt in der Schweiz nicht. Aus diesem Grund fehlen offizielle Statistiken über Opfer von homo‐ oder transphober Gewalt in der Schweiz. Pink Cross will dies im Verbund mit anderen LGBT‐Organisationen ändern. Im Grossen Rat des Kantons Bern ist seit heute ein Vorstoss dazu hängig.

Im Grossen Rat des Kantons Bern ist seit heute ein Vorstoss von GLP‐Grossrat und Pink Cross Vorstandsmitglied Michel Rudin hängig. Er fordert darin – mit breiter Unterstützung – den Kanton Bern auf, homo‐ und transphobe Gewalt zukünftig durch die Berner Kantonspolizei erfassen zu lassen. Dazu sagt er:

Dabei geht es nicht darum herauszufinden, welche sexuelle Orientierung das Opfer hat und diese zu erfassen, sondern darum, mit welchem Motiv und an welchem Ort die Gewalttat vonstatten ging.

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Meine Würde ist unantastbar!”: Motto der Aktionskampagne der Deutschen Aids‐Hilfe zum Internationalen Tag gegen Homophobie im Mai 2011

Praktisch jede Transperson, jede Lesbe und jeder Schwule hat zumindest verbale Beschimpfungen in seinem Leben aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität erfahren. Solche und insbesondere physische Gewalttaten werden von den Schweizer Polizeistellen jedoch bisher nicht gesondert erfasst. Durch homophobe Gewalt wird die Würde der Opfer untergraben. Dies führt zu kostenintensiven psychischen und physischen Schäden und fördert auch in einem grösseren Massstab gesellschaftlichen Hass und Gewalt gegen LGBT‐Menschen.

In der Schweiz sind Polizeigesetze kantonal geregelt. Die hängige Motion ist ein erster Schritt zu mehr Transparenz. Nur mit konkreten Zahlen aus dem Polizeialltag lassen sich realistische Schlüsse zur Bekämpfung von Gewalttaten ziehen.

Pink Cross fordert einerseits die Erfassung von homo‐ und transphoben Gewalttaten seitens der Behörden und der Polizei, anderseits startet die Organisation 2015 ein Pilotprojekt zur Erfassung von homo‐ und transphober Gewalt, das LGBT‐Beratungsstellen mit einschliesst und so ein umfassendes Bild von Diskriminierungen und Gewalttaten aufzeigen soll.

«Diskriminierungen und Gewalt an LGBTI ist ein akutes Problem. Uns fehlen bisher aber Zahlen, die unserern erlebten Alltag belegen», sagt Bastian Baumann, Geschäftsleiter von Pink Cross. «In Grossbritannien als Beispiel, fehlten bis zum Beginn der Erfassung von homo‐ und transphober Gewalt ebenfalls verlässliche Zahlen. Heute beträgt die Zahl hohe 15’000 Meldungen im Jahr», sagt Baumann. «Rechnet man Werte von Befragungen in der Schweiz hoch und geht von 500’000 LGBT‐Menschen in der Schweiz aus, werden jährlich 2500 Menschen Opfer von homophober und transphober körperlicher Gewalt», sagt Petrik Thomann, Vize‐Präsident von PinkCop, dem Verein für homosexuelle Polizistinnen und Polizisten. Henry Hohmann, Präsident von Transgender Network Switzerland, ergänzt: «Gerade Transfrauen erfahren ein hohes Mass an körperlicher Gewalt, scheuen aber oft die Anzeige bei der Polizei. Hier müssen wir auf beiden Seiten ansetzen.»

Gemäss einer Medienmitteilung