Aus für die HALU in Luzern

Die Mitgliederversammlung der Homosexuellen Arbeitsgruppen Luzern HALU hat am 10. Dezember 2014 beschlossen, den Verein nach 35 Jahren aufzulösen.

Grund der Auflösung war die Tatsache, dass sich für die Tätigkeiten im HALU-Vorstand keine geeigneten Personen mehr finden liessen. Die wichtigste Tätigkeit der HALU war stets der Betrieb eines lesbischwulen Begegnungszentrums «Uferlos». Mit der Übergabe des Begegnungszentrums an andere Betreiber zu Beginn dieses Jahres verlor der Verein einen wesentlichen Grundpfeiler seiner Tätigkeit.

uferlos

Die HALU engagierten sich seit dem Gründungsjahr 1979 politisch, kulturell und sozial für schwule, lesbische, bisexuelle und trans* Anliegen in Luzern. Das erste lesbischwule Zentrum mit dem Namen «Rägeboge» betrieb die HALU in den 80er-Jahren. Als das «Rägeboge»-Gebäude im Jahr 1993 der Abrissbirne weichen musste, war die HALU rund zwei Jahre ohne Lokal und mietete sich im damaligen Jugendzentrum Wärchhof ein. Am 1. April 1995 konnte die HALU das lesbischwule Zentrum «Uferlos» am Geissensteinring 14 mit einem vielbeachteten Fest einweihen. Über 18 Jahre lang diente das «Uferlos» danach als Club, Barlokal, Treffpunkt und Versammlungsort. 1990 ging aus der HALU die lesbischwule Jugendgruppe «Why Not» hervor, die bis ins Jahr 2007 aktiv war. 2009 feierten die HALU dann ihr 30-jähriges Bestehen mit einem bunten und vielfältigen Jubiläumsprogramm. In den letzten Jahren fehlte es zunehmend an engagierten Leuten, die sich im Verein einbrachten, sodass die HALU immer mehr Mitglieder verloren und schlussendlich nicht mehr in der Lage waren, einen ordentlichen Vereinsvorstand zu bestellen.

Die Auflösung der HALU darf keinesfalls so interpretiert werden, dass lesbische, schwule und Transpersonen nun alle Ziele erreicht haben und es keine Diskriminierung mehr gäbe. Die heutigen politischen Ziele der lesbischwulen Bewegung wie die Ausweitung des Antidiskriminierungsgesetzes auf lesbischwule und trans* Personen, der Kampf gegen homophobe Gewalt und für die Öffnung der Ehe sind auf nationaler Ebene angesiedelt und werden auch national koordiniert. Im sozialen Bereich ist die Situation in Luzern nicht mehr mit derjenigen von 1979 zu vergleichen. Die HALU war damals Alleinanbieter von lesbischwulen Partys und das Wort «Internet» sorgte höchstens für Stirnrunzeln. Verschiedene Eventgruppierungen wie Queer Office, Frigay Night, Kopfkino oder Gendr bieten heute regelmässig Gelegenheit für lesbischwules Vergnügen in Luzern. Im kulturellen Bereich ist das lesbischwule Filmfestival PinkPanorama seit 13 Jahren in Luzern aktiv.

Raum für Neues: queeroffice.ch schon in den Startlöchern

Mit der Auflösung der HALU wollte die Mitgliederversammlung bewusst einen Schlusspunkt setzen. Diskussionen, ob der Name des Vereins noch zeitgemäss ist, finden damit auch ein Ende. Die Auflösung der HALU schafft Klarheit und gibt Raum und Lust auf Neues. Neue Ufer werden schon im nächsten Jahr erreicht: Die Luzerner Vernetzungsplattform queeroffice.ch wird im März 2015 online gehen und den lesbischwulen Online-Veranstaltungskalender für die Zentralschweiz übernehmen, der bisher von der HALU betrieben worden ist.

Telefonberatungsgruppe der HALU weiterhin aktiv

Immer noch aktiv ist die Telefonberatungsgruppe der HALU. Die Gruppe hat sich dem nationalen Beratungstelefon RainbowLine angeschlossen und macht weiterhin jeden Montagabend von 19 bis 21 Uhr unter der Nummer 0848 80 50 80 lesbischwule Telefonberatung aus und für die Zentralschweiz.