Austausch zwischen den USA und der Schweiz

Im Rahmen des «International Visitor Leadership Program IVLP» reiste eine Schweizer Delegation zwei Wochen lang durch die Vereinigten Staaten und unterhielt sich mit zahlreichen Politikern, NGO- und Religionsvertretern über LGBT-relevante Fragen. Ein besonderer Fokus lag auf der «Ehe für alle». Das Ziel: die Stärkung der Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transpersonen.

v. l. n. r.: Mr. Stephen Taylor (Department of State Program) – Renato Pfeffer (EVP) – Delphine Roux (Fédération genevoise des associations LGBT) – Mark Pocan (Kongressabgeordneten) – Markus Stehle (Mannschaft Magazin) – Maria von Känel (Dachverband Regenbogenfamilien) – Elizabeth Barry (Meridian International Center)

Das IVLP ist ein Programm des US-Aussendepartements. Jedes Jahr reisen fast 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Welt in die USA, um sich mit amerikanischen Kollegen und Kolleginnen über Themen aus Bereichen wie Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch Kultur oder Sozial- und Gesellschaftspolitik auszutauschen. Die Schweizer Delegation – bestehend aus Maria von Känel (Dachverband Regenbogenfamilien), Delphine Roux (Fédération genevoise des associations LGBT), Renato Pfeffer (EVP) und Markus Stehle (Mannschaft Magazin) – wurde zum Thema «Förderung der Bürger- und Menschenrechte der LGBT-Community» eingeladen. Das Programm wurde vom US-Aussendepartement zusammen mit der Amerikanischen Botschaft in Bern und dem Meridian International Center in Washington D.C. zusammengestellt und führte die Delegierten nach Washington D.C., New York, Albany, Baltimore und Salt Lake City.

Auf ihrer Reise durfte die Schweizer Delegation eine Vielzahl von Personen treffen, die sich für die soziale und rechtliche Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transpersonen stark machen. Sie unterhielten sich mit Politikern wie dem Kongressabgeordneten Mark Pocan und mit Randy Berry, dem US-Sonderbeauftragten für LGBT-Rechte. Sie sprachen mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von NGOs wie Equality Maryland, der Human Rights Campaign oder dem Family Equality Council und redeten mit religiösen Gruppierungen wie den LGBT-freundlichen Mormons Building Bridges oder der Organisation Parents, Families and Friends of Lesbians and Gays (P-FLAG). Bei diesen Diskussionen ging es um verschiedene Fragen: Welche gesetzgeberischen Hindernisse mussten in den USA überwunden werden, um die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu erreichen? Welche Kampagnen wurden geführt, um auf die Anliegen der verschiedenen Interessengruppen aufmerksam zu machen? Wie können Religion und Homosexualität miteinander verbunden werden? Die Erfahrungen aus den USA lieferten wertvolle Inputs, die für die Durchsetzung der Anliegen der LGBT-Community in der Schweiz hilfreich sind.

Fortschritt auch in der Schweiz nötig

Auch wenn LGBT-Personen noch nicht in allen Bundesstaaten über die gleichen Rechte verfügen wie Heterosexuelle, so haben die USA in den letzten Jahren doch eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Prominentestes Beispiel dafür ist der Entscheid des obersten Gerichtshofs, der die gleichgeschlechtliche Ehe landesweit legalisierte.

Auch in der Schweiz ist es Zeit für Fortschritt. Nach wie vor werden zu viele LGBTI-Jugendliche von ihren Familien verstossen und von Mitschülern gemobbt. Nach wie vor sind Kinder in Regenbogenfamilien rechtlich unzureichend geschützt.

Nach wie vor leiden Transmenschen unter vielfältiger Diskriminierung, nicht zuletztin der Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts über ihr Geschlecht. Nach wie vor werden intersexuelle Babys zwangsweise einem Geschlecht zugewiesen.

Und noch immer können gleichgeschlechtliche Paare weder heiraten noch gemeinsam adoptieren. Diese Umstände sind weder tragbar noch zeitgemäss. Lesben, Schwule, Transpersonen, Bi- und Intersexuelle fordern und verdienen die absolute Gleichstellung.

Keine zusätzlichen Rechte – aber die gleichen Rechte

Eines darf bei diesen Forderungen nicht vergessen gehen: Den LGBT-Menschen in der Schweiz geht es nicht darum, eine Spezialbehandlung zu erhalten. Ihnen geht es «nur» darum, gleich behandelt zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Einsatz aller gefragt: der Politiker und Politikerinnen, der Verwaltung, der Kirchen und religiösen Gruppierungen, der Schulen, der Unternehmen und jedes einzelnen Bürgers und jeder einzelnen Bürgerin. Gemeinsam können Dialoge geschaffen, Misstrauen, Angst und Vorurteile abgebaut werden.

Gemäss einer Medienmitteilung